Erste Halbzeit
Das Spiel geht los. Mit nur fünf Minuten Verzögerung beginnt das zweite Spiel des Upper Brackets für ER-Force.
Gleich zu Beginn eröffnet RoboCîn die Partie mit einer aggressiven Schussoffensive auf unser Tor. Doch unser flinker Torwart scheint heute seine Hände mit Sekundenkleber eingerieben zu haben – jeder Ball bleibt an ihm hängen.
Ecke für uns. Von der gegnerischen Nummer 3 abgewehrt und direkt wieder ins Aus. Die erneute Ballplatzierung gehört eigentlich uns, wird jedoch vom Gegner verhindert.
Es geht spannend weiter. Der Ball fliegt hektisch von einem Strafraum zum anderen, doch die neuesten Anpassungen an unserer Verteidigung zahlen sich aus. Die Abwehr steht sicher und leitet den Ball schnell zu unseren Angreifern weiter.
1:46. Cîn bekommt eine Ecke. Es könnte gefährlich werden, doch die Erlanger Mauer bleibt stabil. Der Torwart meldet allerdings Radprobleme und muss prompt ausgewechselt werden. Hoffentlich war das nur ein kurzer Boxenstopp.
Ein missglückter Pass des Gegners führt zur nächsten Ecke für uns. Eine riesige Chance, den Seitenwechsel auszunutzen. Leider wird daraus nichts. Stattdessen entwickelt sich ein intensives Duell, das den Ball bis kurz vor unseren Strafraum bringt. Noch 20 Sekunden auf der Uhr – jetzt heißt es zittern. Bei diesem Spielverlauf könnte jedes einzelne Tor die Entscheidung bedeuten.
Doch wir können uns noch einmal befreien. Ein guter hoher Ball ermöglicht ein letztes Duell vor dem gegnerischen Tor, bevor die Halbzeit endet. Zeit für den Boxenstopp.
Zweite Halbzeit
Die zweite Halbzeit beginnt mit einem intensiven Schlagabtausch zwischen beiden Teams.
Noch vor der vierten Minute haben wir eine unglaubliche Chance vor dem gegnerischen Tor. Doch unsere Nummer 4 bekommt offenbar kurz weiche Räder statt starker Nerven und verstolpert den Ball. Das hätte das 1:0 sein können.
Unsere Mannschaft wirkt heute deutlich nervenstärker als noch gestern. Und auch technisch fahren wir so gut wie nie zuvor. Mit insgesamt 15 Robotern, einer stabilen Funkverbindung und einer immer besser abgestimmten Regelung sind wir inzwischen ein Gegner, den niemand unterschätzen sollte.
Wie schon in der ersten Halbzeit folgt nach etwa einer Minute Spielzeit erneut eine längere Unterbrechung wegen technischer Probleme. Langweilig wird es hier definitiv nicht.
Nach langer Diskussion geht es endlich weiter – hoffentlich war das die letzte größere Unterbrechung. Allerdings startet Cîn sofort den nächsten Angriff auf unsere Verteidigung.
Nach einem langen Hin und Her schaffen wir schließlich den Vorstoß auf das gegnerische Tor. Dabei verliert ein Cîn-Roboter nach einer Kollision kurzerhand ein Rad. Das dürfte dem Mechanik-Team nicht gerade ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben.
2:06 – vermutlich der intensivste Moment des Spiels bisher. Mit sechs Pässen kombinieren wir uns im Zickzack durch die gegnerische Verteidigung und schicken den Torwart mehrfach quer durch sein Tor. Jeder Pass sitzt, jeder Schuss passt – bis zum letzten Roboter. Der nimmt den Ball einen Tick zu weit rechts an und verstolpert ihn. Er versucht zwar noch alles, um den Abschluss zu retten, doch der Ball rollt in den Strafraum. Chance vorbei. Ball gesichert. Das Tor bleibt weiterhin wie vernagelt.
Dann fällt ein äußerst fragwürdiges Tor – für uns! Mit geduldigem Passspiel schleichen wir uns durch die gegnerische Verteidigung und bringen den Ball in den Strafraum. RoboCîn stellt dort allerdings gleich vier Verteidiger plus Torwart auf. Entgegen der Regeln entsteht ein regelrechtes Verkehrschaos aus Robotern und Kollisionen, aus dem der Ball schließlich im Tor landet. Genau deshalb gibt es keinen Treffer, sondern Strafstoß.
Noch vor dem Strafstoß erleiden wir jedoch einen kritischen Zusammenstoß, der nichts mit unserer Strategie zu tun hat. Das reicht dem Schiedsrichter offenbar aus, um den Strafstoß nach rund zwölf Minuten Diskussion wieder zurückzunehmen. Eine äußerst frustrierende Entscheidung für alle Beteiligten.
Damit geht es in die Verlängerung.
Verlängerung – Erste Halbzeit
Es bleibt nervenaufreibend. Eine Zitterpartie war wohl noch nie so zittrig wie diese.
Innerhalb von nur 45 Sekunden feuert Cîn mehr als fünf Schüsse auf unser Tor ab. Alle können gerade noch entschärft werden. Mittlerweile liegen nicht nur bei den Robotern die Nerven blank.
Doch auch Cîn zeigt erste Verschleißerscheinungen: Während des Ball Placements verabschiedet sich einer ihrer Roboter mit technischem Defekt.
Irgendetwas hat sich verändert. Cîn spielt jetzt deutlich aggressiver, und das bekommen wir zu spüren. Zum Glück gehört unsere Verteidigung zu den stärksten der gesamten SSL.
Nach einem schnellen, aber leider erfolglosen Angriff unsererseits endet die erste Hälfte der Verlängerung.
Verlängerung – Zweite Halbzeit
Direkt nach Wiederanpfiff spielen wir den Ball elegant nach vorne. Doch erneut scheitert der Angriff an der letzten Ballannahme. Der ersehnte Abschluss bleibt aus.
Das Spiel bleibt völlig offen. Der Ball wandert ununterbrochen von Tor zu Tor, doch keines der beiden Teams kann den entscheidenden Treffer erzielen. Es bleibt beim 0:0.
Der Ball geht ins Aus – und damit geht es ins Elfmeterschießen.
Jetzt heißt es: Alles oder nichts.
Elfmeterschießen
Der erste Schuss von Cîn: direkt auf unseren Torwart. Souverän gehalten – vermutlich ohne auch nur einmal zu blinzeln.
Unser erster Versuch: Der neue Strafstoß-Code sieht vielversprechend aus, doch der gegnerische Torwart fischt den Ball gerade noch heraus.
Runde zwei: Cîn fährt an. Dann plötzlich Funkausfall bei unserer Nummer 2. Sie kommt gerade noch rechtzeitig zurück, streift den Ball aber nur, anstatt ihn entscheidend abzuwehren. 1:0 für Cîn.
Jetzt sind wir an der Reihe. Rasant geht es nach vorne, doch die letzte Drehung gelingt nicht ganz. Ein gerader Schuss auf den Torwart.
In Runde drei verteidigen wir wie in den besten Zeiten von Manuel Neuer. Die Nummer 2 wurde inzwischen gegen die 14 getauscht. Terine lässt uns nicht im Stich.
Der anschließende Schuss unseres Stürmers Farfalle leider schon eher. Obwohl wir gut stehen, fehlt erneut der entscheidende Abschluss.
Auch den vierten Versuch von Cîn verteidigen wir souverän.
Jetzt sind wir wieder dran.
TOOOOOR!!
Mit einer perfekten Täuschung schicken wir den Torwart erst in die eine Ecke und schieben den Ball dann eiskalt in die andere. Ausgleich! 1:1.
Mindestens fünf Versuche pro Team sind nötig. Die nächste Runde könnte bereits die Entscheidung bringen.
RoboCîn Nummer 6 dribbelt langsam auf den Strafraum zu. Sie zielt, schießt und – schon wieder gehalten!
Jetzt wir: Mit der Präzision eines Scharfschützen landet der Ball in der Ecke, doch Cîn kommt mit den letzten Zentimetern noch an den Ball.
Auch in Runde sechs hält unsere Verteidigung erneut.
Und dann…
TOOOOOOR!!!
MIT ALLER KRAFT SCHIEẞEN WIR DEN BALL IN DIE RECHTE UNTERE ECKE UND HOLEN DAS SPIEL NACH HAUSE!
Nach zweieinhalb Stunden, einer Verlängerung, unzähligen technischen Problemen, mehreren beschädigten Robotern und vermutlich einigen grauen Haaren endet diese Partie mit 2:1 für ER-Force.
Wir stehen im Finale des Upper Brackets.
Wir haben es geschafft.
