RoboCup 2019 – Playoffphase

Nachdem wir uns in der Gruppenphase mittelmäßig geschlagen haben, aber trotzdem Gruppenzweiter geworden sind, waren die Spiele der Knockoutphase an Tag 3 und 4 des RoboCups deutlich erfolgreicher. Wir starteten im Upper Bracket (der oberen Hälfte) und hatten deshalb im ersten Spiel einen etwas leichter zu bewältigenden Gegner: Wir konnten gegen das japanische Team OP-AmP ein souveränes 8:0 spielen. Durch dieses Ergebnis wurden unsere Hoffnungen auf Erfolg beim RoboCup deutlich gesteigert. Gleichzeitig war uns aber bewusst, dass wir uns nicht darauf ausruhen durften, sondern die schweren Spiele erst noch kommen würden.
In allen Spielpausen wurde daher weiter fleißig an unserem Prototypen der neuen Generation gearbeitet. Hierbei hatten wir immer mehr Erfolge zu feiern, zum Beispiel konnten wir die Lichtschranke im Dribbler erfolgreich testen. Unter anderem auch dank der Fortschritte beim Funk konnten wir erstmals Fahr- und Schusstests auf dem Testfeld durchführen. Die Ergebnisse waren begeisternd, deckten aber auch viele neue Probleme auf.

Unser zweites Spiel war gegen TIGERs Mannheim. Wir erwarteten knapp zu verlieren. Die Roboter aus Mannheim sind unserer alten Generation technisch stark überlegen, doch ihre kleinen Räder wurden leider durch die hohen Linien beschädigt. Sie lösten sich teilweise auf dem Spielfeld in ihre Einzelteile auf. Dies bescherte uns einen gewissen Vorteil und dank der Robustheit unserer Roboter konnten wir ein 2:0 erspielen.
Natürlich bietet der RoboCup neben den Spielen auch die Möglichkeit, sich mit anderen Teams auszutauschen, fachzusimpeln und Freundschaften zu knüpfen. Das haben wir auch ligaübergreifend genutzt und uns in arbeitsfreien Minuten sehr angeregt unterhalten und alte Bekannte wieder getroffen. Es war schön die Fortschritte von TIGERs Mannheim und RoboTeam Twente seit unseren gemeinsamen Testspielen Anfang April zu sehen.

Das für uns teils überraschende Ergebnis von 0:2 gegen ZJUNlict aus China resultierte in unserem leider letzten Spiel im Upper Bracket. Uns war von vornherein klar, dass wir nicht souverän gewinnen würden. Doch die Hoffnung auf ein Unentschieden gegen die (hardware- und softwareseitig) extrem starken Chinesen blieb lange bestehen. Wir konnten gut verteidigen, doch am Ende reichte es nicht und wir rutschten in das Lower Bracket ab. Trotzdem war uns hiermit schon der dritte Platz sicher und wir freuten uns über eine jetzt schon bessere Platzierung als letztes Jahr in Kanada (Platz 4).Bevor wir auf unseren ersten Gegner im Lower Bracket trafen, waren wir noch ein bisschen detektivisch unterwegs. Seit Beginn des Turniers wurden immer wieder kleine Metallblättchen auf dem Spielfeld gefunden. Aus bestimmten Blickwinkeln reflektierten diese das Licht so, dass sie wie verlorene Schrauben aussahen. Doch nicht nur diese optische Täuschung stellte ein Problem dar, sondern auch ihre sehr gute Leitfähigkeit (~0 Ω). Falls eines dieser Blättchen irgendwie einen Weg in einen Roboter finden und dort schlecht landen würde, könnte es zu einem Kurzschluss kommen. Dieser kann dazu führen, dass Roboter kaputtgehen oder sogar Feuer fangen. Nachdem wir das Feld bestmöglichst davon befreit hatten und auch die Ursprungroboter der Blättchen gefunden hatten, konnte das Spiel gegen unseren sehr ambitionierten Gegner MRL aus dem Iran stattfinden. Zum Glück konnten wir hier einen Sieg mit 1:0 feiern und standen somit im Finale, um dort nun zum dritten Mal in diesem Turnier gegen das chinesische Team ZJUNlict anzutreten.

Zwischen dem Spiel gegen MRL und dem Finale blieb uns nur eine halbe Stunde Zeit um alle Akkus wieder vollzuladen. Doch wir hatten sowohl zu Spielbeginn genug Akkus fertig, als auch Wechselakkus zur Halbzeitpause. Das Finale gegen ZJUNlict war extrem spannend und wir hatten eine Menge Zuschauer. Nachdem wir gegen Ende des Spiels mit 0:1 Rückstand zu kämpfen hatten und die Aussicht auf Besserung bei gleichbleibender Spielweise gleich null war, traf unsere Strategie eine radikale Entscheidung: In einem Timeout wechselten wir auf maximalen Angriff. Alle unsere Roboter platzierten sich in der gegnerischen Hälfte und nur unser Torwart mit der Nummer 10 blieb in unserer Hälfte, um zu verteidigen. Die Chinesen waren geschockt und konnten gar nicht fassen, was gerade passiert. Leider hat es nicht mehr für ein Tor unsererseits gereicht. Doch auch der Angriff der Chinesen war nicht stark genug, um unseren sehr stark verteidigenden Torwart zu bewältigen. Somit endete das Spiel mit tosendem Applaus und einer Lobeshymne auf unseren Torwart, der spontan Manuel getauft wurde. Wir sind glücklich und zufrieden Vizeweltmeister geworden. Gratulation!!!!

RoboCup 2019 – Turniervorbereitung


Nachdem am Montag früh die letzten Nachzügler noch zu uns gestoßen waren, konnten wir in voller Stärke an unseren Robotern arbeiten. Damit sind sowohl die alten als auch unsere paar neuen Roboter gemeint.
Die alten Roboter waren meist in Obhut der Mechanik, damit sie auf Funktion getestet und kalibriert werden können. Kalibrieren bedeutet, dass die Schussstärke so angepasst wird, dass wir immer so weit schießen und lupfen können, wie wir gerade wollen.

Einzelne Exemplare unserer alten Generation waren zeitweise bei der Elektronik, damit auch die Platinen etwas Pflege und Liebe bekommen. Insgesamt machen sich die alten Roboter noch (überraschend) gut und leiden weniger unter Altersschwäche als befürchtet. Unsere neuen Roboter haben ihr Zuhause noch bei der Elektronik und Regelung, bevor sie aufs Feld gelassen werden können. Hier arbeiten die beiden Sub-Teams gerade mit Hochdruck daran, genug Platinen funktionsfähig zu machen, damit wir ein oder zwei Prototypen mehr zum Testen zusammenbauen können. Dies erwies sich zum Teil aber noch schwieriger als gedacht. Dennoch machen wir gute Fortschritte bei all unseren Platinen.
Währenddessen haben wir uns außerdem damit beschäftigt, dass das Feld auch unseren Anforderungen entspricht. Dieses Jahr hat der Aufbau relativ problemlos geklappt und wir mussten nicht – wie letztes Jahr – die Arbeit der lokalen Firmen übernehmen. Der Teppich, auf dem wir fahren, scheint dieses Jahr eine sehr gute Qualität zu haben, hat aber höhere Fasern, wodurch die Roboter relativ tief einsinken. Bei freier Fahrt stellt dies nach ersten Tests kein Problem dar, es wird sich allerdings noch zeigen, ob das Einsinken uns beim Dribbeln und Schießen Probleme bereiten wird. Statt Klebeband als Linien wurde Farbe benutzt. Dummerweise hatte der Teppich dadurch leider eine 2 bis 4 mm hohe Kante an den Linien, da die Farbe die Fasern versteift hat. An diesen Kanten bleiben unsere Roboter hängen, da sie sich mit ihren Hochschussklappen verhaken. Die Messearbeiter haben sich dem am Nachmittag angenommen und die Kanten herunter geschliffen. Das mussten wir natürlich testen. Dabei ist unser Testroboter öfter gestolpert, vornüber gefallen und hat sogar einmal einen Vorwärtssalto geschafft. Was ziemlich lustig klingt, ist aber während der Spiele sehr unpraktisch und kann ziemlich schnell zu Defekten führen. Am späten Abend war das Feld fertig. Wir hoffen, dass keine Stelle übersehen wurde, durch die wir potentiell während der Spiele unsere Zuschauer mit Kunststücken beglücken.
Hier sei auch nochmal auf den kommenden Live-Stream und Live-Ticker hingewiesen, den wir dann auf der Website verlinken.

Trotz der kurzen Zeit, die wir hier bis jetzt verbringen durften und unserer wenigen bis gar keinen Freizeit, konnten wir schon einige Einblicke in die hiesige Kultur gewinnen. Unsere Unterkunft ist in China-Town. Leider sucht man hier trotz des jährlich wiederkommenden Winters Heizungen vergeblich und wir behelfen uns im etwas frischen Zimmer mit dicken Decken und warmer Kleidung. Selbst die Messehalle könnte zwei bis drei Grad wärmer sein, damit wir uns wirklich wohl fühlen würden. Die Lage der Unterkunft macht sich auch in der riesigen Auswahl an chinesischen Imbissen und Restaurants bemerkbar. Die hiesigen Preise für Verpflegung sind generell über unseren gewohnten deutschen Preisen. Aber wir konnten uns auch von der wirklich beeindruckenden Architektur überzeugen, die allerdings gegenüber von unserem Hotel nur Fassade ist:


In den letzten Jahren gab es immer eine Vortragsreihe der Teams, in denen die Neuerungen präsentieren konnten. Dieses Jahr gab es die Vorgabe ein Poster zu gestalten, die dann in der Messehalle aufgehängt werden: